JETTE KIND

Dies ist das Haus meiner Uroma.

Ich bin in Barleben aufgewachsen. In einem drei - Generationenhaus.Unten im Erdgeschoss lebte meine Tante, mein Onkel- der Bruder meines Vaters, sowie meine drei Cousinen und mein Cousin Otto. Oben im Giebel wohnte meine Großmutten, genannt Oma. Im neuen Anbau - mit einem neuen Bad, meine Eltern und ich. Meine Kindheit war wunderschön. Ich war ein sehr fröhliches Kind, immer sehr unbekümmert, hüpfte und tanze durch meine Welt. Da ich die jüngste war, wurde ich von allen geliebt, dass heißt, ich dachte es mir so, denn wer mich nicht mochte, war selber schuld. Den ganzen lieben Tag lief ich in Haus und Hof herum. Es gab immer viel zu entdecken und zu erkunden. War ich eben noch bei meiner Oma, musste ich geschwind die Treppe hinunter, um zu sehen, was es bei meiner Tante neues gab. Tante Ruthi hatte in ihrer großen Küche eine Grude, diese war gleich links neben der Tür fest eingemauert. In dieser Grude wurde immer ein riesengroßer Topf mit Suppe gekocht. Ich liebte die Suppen von meiner Tante, egal ob Linsen - Erbsen - Möhren- oder Bohnensuppe, ich aß sie alle gern. Am besten war die Hühnersuppe - Hühnersuppe mit Reis! Noch heute habe ich den Geschmack im Mund. Die Grude war oben mit einer großen Tür abgedeckt, ( wer keine Grude mehr kennt, ihr müsst sie euch so vorstellen, wie eine kleine Gefriertruhe - nur dass man in ihr eben kochen konnte) und wenn in der Grude das Essen so leise vor sich hinkochte, konnte ich auf dieser Tür herrlich sitzen. Es war gemütlich warm. Ich saß also dort, nervte meine Tante mit hunderttausend Fragen und hielt sie von der Arbeit ab. Bis es meiner Tante zuviel wurde! Dann hieß es: " Ab nach oben mit Dir" Oben, das war bei meiner Oma, ihr oblag es mich großzuziehen, denn meine Mutti arbeitete im Konsum als Filialleiterin. Mein Vater glänzte meisstens mit Abwesentheit, da er Profisportler war. Entweder er fuhr irgendein wichtiges Radrennen oder aber er war im Trainingslager. Ich kann nicht sagen, dass ich meine Eltern in der Woche vermisst habe, hatte ich doch meine Oma, meine Tante, die Kinder und meinen Onkel. Zwei Hunde liefen auch noch auf dem Hof herum, sowie mehrere Katzen, dann waren da noch die Hühner, die Tauben, Kaninchen und zwei Schweine im Stall.  

Von Zeit zu Zeit wurde Sonntags etwas gemeinsam unternommen. Entweder fuhren wir an den Barleber See zum Schwimmen oder zu einen Radrennen, um meinen Vater zu bejubeln. Oder aber wir fuhen raus in die Stadt. So sagte meine Mutti immer: "Kind wir fahren raus, in die Stadt": Die Stadt, das war Magdeburg, dort lebten die Eltern meiner Mutti. Kaum angekommen bei meinen vergötterten Großvater sowie meiner Großmutter, genannt: Omia, wurden Brötchen geschmiert, Kaffee gekocht, (Guter Kaffee, nicht Muckefuck) alles in einen großen Korb verstaut, und es ging weiter nach Biederitz, zu den Eltern von Omia. In Biederitz hatten meine Urgroßeltern einen wunderschönen Garten mit einem riesengroßen Haus. ( ich war damals etwa vier Jahre alt) An einem der Besuche erinnere ich mich ganz genau! Meine Urgroßeltern hatten sieben Kinder, fünf Söhne und zwei Töchter. Von dem Tag an, als der Dorfpolizist meiner Urgroßmutter mitteilte, dass auch ihr vierter Sohn im Krieg, für die Ehre und dem Vaterland gefallen war, sprach sie kein Wort mehr, kein einziges, all die Jahre nicht! -  Bei dem Besuch, sprang ich vom Fahrrad, hüpfte meiner Uroma freudig entgegen und sagte:" Ach, Uromi, wie siehst Du doch heute schön aus!  Genau so schön wie deine wunderbaren Rosen". - Und die Uromi - schaute mich ganz verwundert an, und sagte: " ACH Jette Kind".