4. Sep, 2018

BESUCH AUS JAPAN

BESUCH AUS JAPAN

 

Als ich noch in Mittenwalde in meinem kleinen Haus lebte, bekam ich Besuch aus Japan. Eine Delegation aus Tokio besuchte die Kleinstadt, um zu sehen wie wir so lebten. Ich war sehr aufgeregt und voller Freude, dass sich die fernöstlichen Gäste mein mini Anwesen anschauen wollten. Vier Wochen schuftete ich in Garten, alles sollte harmonisch und gepflegt aussehen. Im Haus wurde jedes Zimmer auf Hochglanz gebracht, die Fenster geputzt, die Böden geschruppt, Gardinen gewaschen und die Zimmer geschmückt und neu dekoriert. Endlich war es soweit! Freudig begrüßte ich die kleine Gruppe bei einer schönen Tasse japanischen Tee. Die Besucher waren voller Wissbegier und erkundigten sich nach jeder Einzelheit: wie war das Haus gebaut, welche Heizung, was für Fenster, aus welche Material waren die Böden. Dann, nach ausgiebiger Besichtigung des Hauses ging es in den 400pm großen Garten. Hier bewunderten die Fremden besonders meine Buchsbäume 468 an der Zahl, von den zwei kleinen Teichen waren sie sehr angetan, ebenso von der Zwergquitte welche fünf Meter hoch geworden war. (der Gärtner meinte; ich hätte das Bäumchen zu sehr gedüngt)  Alles war bestens. Nun interessiert ich mich, wie war das in Japan in den kleinen Häusern? Gab es große Unterschiede? Es entstand eine sehr lebhafte Unterhaltung, Erfahrungen in der Gartenpflege wurden ausgetauscht. Die Japaner fanden alles wunderbar – ich wusste ja, dass sie sehr höflich Menschen sind und sicher keinerlei Kritiken äußern würden. Nach meinen drängenden Fragen, was denn in Deutschland so ganz anders wäre, bekam ich diese verblüffende Antwort: „In Deutschland ist uns in allen Siedlungen und Häuser eines besonders aufgefallen. Das erste, was man sieht, wenn man die Deutschen besucht, sind ihre Müllbehälter, dies wäre in Japan undenkbar – dass die Gäste mit Müll begrüßt werden, das ist in der japanische Kultur sehr unhöflich“. Nach der Verabschiedung meiner Gäste machte ich durch unsere Siedlung einen Spaziergang – es stimmte – jedoch habe ich es nie bewusst wahrgenommen. Egal, durch welche Stadt, durch welche Gemeinde oder Dorf ich fuhr, es stimmte haargenau – im Eingangsbereich standen immer die Abfalltonnen. In Mittenwalde bekamen meine Behälter sofort einen andern Platz, waren sehr versteckt und für Betrachter nicht mehr zu sehen.

Hier nun in Hoxel, habe ich gut ein Jahr benötigt, um meinen lieben Mann davon zu überzeugen, dass die Mülleimer woanders stehen müssen, dass ich es unseren Nachbarn und Besuchern nicht zumuten kann, immer auf die hässlichen Mülleimer zu schauen. Da der Weg zu den Abfallbehältern jetzt etwas weiter ist, werde ich jetzt unsern täglichen Müll entsorgen. – Der Höflichkeit wegen.